Legende von Heiligenblut

Die Legende von Heiligenblut

pfarrkirche

Heiligenblut wird wegen seiner einzigartigen Bergkulisse mit Recht als das legendäre Bergdorf Österreichs bezeichnet. Der Ort ist das bekannteste und zweifellos meistfotografierte Alpendorf Österreichs – direkt am Fuße des Großglockners und mitten im Herzen des Nationalparks Hohe Tauern.

Die Legende von Heiligenblut 

Briccius stammte aus einem vornehmen Geschlecht des Königreichs Dänemark. Er kam schon als Knabe mit seinem Vater, der am kaiserlichen Hofe Kriegsdienste leistete, nach Konstantinopel – heute Istanbul. In Dänemark war das Christentum im Wachsen und so rief es Briccius zurück in seine Heimat.

Als Abschiedsgeschenk für seine Dienste war dem Kaiser nichts zu kostbar. So wünschte sich Briccius ein Fläschchen, das im Hochaltar der Sophienkirche aufbewahrt wurde und einige Tropfen des Heiligen Blutes enthielt.

Briccius legte Pilgerkleider an und schlug von einem Freunde gewarnt, Seitenwege ein. Er fühlte sich nicht sicher von den Nachstellungen der Griechen, die das Blut nur ungern aus ihrem Besitz gaben.
Über die Alpen wählte er den Weg über die Tauern in Richtung Salzburg, wo ihn eine Lawine überraschte, die zu seinem Tod führte.
Bauern waren von drei Weizenähren verwundert, die aus dem Schnee wuchsen. Sie sahen nach und fanden einen toten Mann. Sie befreiten den Leichnam aus dem Schnee und ließen ihn mit Ochsenkarren ins Tal ziehen. Begraben wurde der Leichnam dort, wo die Ochsenkarren plötzlich stehen blieben und nicht mehr weiter wollten. Dies war der Ort, wo heute die Kirche steht. Nach einiger Zeit bemerkte man, dass ein Fuß des Toten aus dem Grabhügel hervorragte. Man bemerkte an der Wade einen Verband und darunter eine tiefe Fleischwunde, die ein kleines Fläschchen verbarg. Der geheimnisvolle Fund wurde zusammen mit einer um die Brust gebundenen Urkunde , die man ebenfalls fand, dem Erzbischof gemeldet, dessen Antwort ins Licht brachte, welcher Schatz der Kärntner Kirche zu teil geworden war.
Bald wurde über dem Grab des seligen Briccius eine kleine Kapelle gebaut und ebenfalls eine an dem Ort, wo man den Leichnam gefunden hat.
Zur Grabstätte des Heiligen Briccius pilgern seit Jahrhunderten viele Gläubige aus den angrenzenden Bundesländern und bei so manchen sollen auch bei seinem Grab – der Überlieferung nach – Wunderzeichen geschehen sein.

Wallfahrtskirche “St. Vinzenz”

Die gotische Wallfahrtskirche ist weit über die Grenzen bekannt und lockt Gäste aus allen Teilen des Landes in das beschauliche Glocknerdorf Heiligenblut.
Die Pfarrkirche ist dem heiligen Vinzenz von Saragossa (=Schutzpatron) geweiht. In erster urkundlicher Erwähnung aus dem Jahr 1253, wird ein Friedhof mit Karner erwähnt. 1273 ist die erste Wallfahrt zum “Heiligen Bluet” nachgewiesen. 1390 beschließt man, eine große “ordentliche” Kirche zu bauen, da das alte Gotteshaus die vielen Wallfahrer und Pilger nicht mehr fassen konnte. Es brauchte ca. 100 Jahre, bis die Kirche fertig geworden ist, genau bis zum 1. November 1491, dem Weihetag der Pfarrkirche.

Kleine Kirchenführung

Bemerkenswert gleich am Eingang von der Nordseite her ist ein großes Christopherusfresko aus dem Jahr 1490. Christopherus ist der Schutzpatron der Reisenden und Pilger und bewahrt nach altem Glauben vor Unheil und sogar vor dem Tod, wenn man ihn einmal am Tag, egal in welcher Form (als Fresko, Statue…) sieht.

Vom Kirchenraum wird vom wunderschönen Hochaltar (11 m Höhe) beherrscht. Dieser stammt aus der Gotik und wurde 1520 “vollendet”. Er wurde von Schülern des berühmten Altarbaumeisters der Gotik Michael Pacher geschaffen. Der Altar ist ein doppelter Wandelaltar. Das heißt, man kann ihn zweimal wie ein Buch zusammenklappen. Mit Hilfe dieses “Bilderbuches” hat man den Menschen vor 500 Jahren verschiedenen Zeiten im Kirchenjahr nahegebracht.

Im Zentrum des Altarschreines ist die Krönung Mariens dargestellt. Links von der Krönungsgruppe (mit Gottvater, Gottsohn und Heiligem Geist) steht der Kirchenpatron, der Heilige Vinzenz mit dem Schürhaken und rechts der Heilige Petrus mit dem Schlüssel.
Der Altar ruht auf der Predalla, die im 18. Jahrhundert durch den Tabernakeleinbau verändert wurde. Ursprünglich standen dort rundherum sichtbar die Statuen der 14 Nothelfer. Heute sind nur mehr einige zu bewundern, die restlichen sind vom Tabernakel verdeckt.

In der Kirche finden sich auch Kunstgegenstände aus dem Barock. An der Kanzel aus dem Frühbarock sind auch Renaissanceeinflüsse bemerkbar (Fruchtstände und Kassettenrahmen). Der Rosenkranz – hängend im Raum, die Apostelfiguren – gereiht an den Wänden – und die Tafelbilder mit der Legende des Briccius sind ebenfalls aus dem Barock.

Das älteste Kunstwerk der Pfarrkirche ist eine Madonna, vorne rechts an der Wand zwischen Hochaltar und Sakristei (Chorraum). Sie wird der Frühgotik zugeordnet. Auffällig an dieser Darstellung ist die unpersönliche Haltung von Mutter und Kind. Maria wird eher als „Thron“ für Jesus dargestellt. Erst später hat sich die Vorstellung der Menschen über Maria als „Gottesgebärerin“ hin zur „Mutter Gottes“ verändert, dies war der Übergang in der Kunst zur Darstellung der innigen Muter-Kind-Beziehung.

Ein weiteres Kleinod ist der Veronika-Flügelaltar auf der oberen Kirchenebene, der mit reinem Tauerngold ausgelegt sein soll.

Das 13 m hohe Sakramentenhäuschen aus weißem Sandstein befindet sich links vorne im Altarraum. Die Monstranz mit dem kostbaren Heiligenblutfläschchen und ebenso die Monstranz mit den drei Getreideähren befinden sich darin.

Im vorderen Viertel führen vom Kirchenraum aus Stufen in die Krypta hinab. Dort befindet sich das Bricciusgrab (Ende 17. Jhdt.), ein Altar (um 1700) sowie eine Vespergruppe (18. Jhdt.).

 

Katholischer Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen:

Sommer: jeden Sonntag um 10.00 und 19.00 Uhr
Winter: jeden Sonntag um 10.00 und 18.00 Uhr

evangelischer Gottesdienst an Sonntagen im Juli & August: 17 Uhr